Step 7: Tasmanien Teil 2

​Tag 38: Erstens kommt es, und zweitens anders als man denkt! Mount Anne Circuit (Southwest Nationalpark) 
Nach bestandener Bushwalker Prüfung am Mount Field West ging es nun einen Schritt weiter. Mein Schwager Cam lud mich auf eine etwas technischere Wanderung ein. Ziel: Mount Anne im Southwest Nationalpark, welcher zum UNESCO World Heritage Tasmanian Wilderness gehört. Unter anderem wächst hier der Giant Ash (Eucalyptus regnans), ein Rieseneukalyptus. Der höchste Baum auf Tasmanien misst 99,6 Meter laut Wikipedia.

Wir fuhren also abends von Hobart aus in den Southwest Nationalpark. Nach etwa 2,5 Stunden kamen wir an unserem Basislager an, ein Parkplatz, von welchem wir den Mount Anne Circuit laufen wollten. Mein Schwager hat die kurze Nacht in seinem Toyota Landcruiser verbracht und ich in meinem Zelt auf dem Parkplatz direkt neben seinem Auto. Die Nacht war angenehm und am folgendem Tag sollte es bis zu 29 Grad geben. Je nachdem auf welcher Höhe man sich befindet, ist die Temperatur jedoch niedriger. Die Faustregel sagt aus pro 100 Meter ändert sich die Temperatur etwa um 1 Grad Celsius. Um 3 Uhr morgends klingelte der Wecker. Da kam Freude auf, nicht nur bei mir. Der Parkplatz war nämlich komplett zugeparkt und wir waren nicht die einzigsten, die hier schliefen. Ich habe mein Zelt zusammengepackt, gefrühstückt und meinen Rucksack vorbereitet. Diesmal hat in meiner Vorbereitung alles gepasst. Als wir am Mount Field West unterwegs waren, hatte ich ja meine Sandwiches im Kühlschrank vergessen. Aus Fehlern… Aber auch diesmal kam es anders als gedacht. Dies lag zum einen an den Batterien meiner Stirnlampe,welche kurz vor dem Ende waren und zum anderen an dem Schwierigkeitsgrad dieser Wanderung, welche ich unterschätzt habe. Die Belastung in jeglicher Hinsicht war für mich persönlich sehr hoch!

Morgendämmerung am ersten Berg, Mount Eliza

Los ging es um 4 Uhr. Schnell noch einen Eintrag in das Wanderlogbuch gemacht und schon sind wir losgelaufen. Naja, es waren eher Stufen mit einem mitlerem Abstand vom 1 Meter. So ging es die ersten 2 Stunden in die Morgendämmerung hinein. Hier erreichten wir die erste Hütte mit Wassertank und Plumpsklo. Wir machten nur eine kurze Pause. Jetzt ging es erst richtig los! Von hier aus kletterten wir einen Geröllabhang hinauf um unser erstes Ziel zu erreichen, Mount Eliza. Es macht irre Spass über grosse Felsen den Berg nach oben zu klettern. Hier brauch man auch Beine UND Arme. Fehler werden einem auch nur schwer verziehen hier.

Aufstieg zum Mount Eliza

Oben angekommen kamen wir genau richtig zum Sonnenaufgang. Die Belohnung war eine wunderbare Aussicht auf die Umgebung auf etwa 1280 Meter Höhe. 

Sonnenaufgang Mount Eliza

Ab hier konnten wir erstmal entspannter weiterwandern, was sich dann aber bald änderte.

Da geht es lang, Mount Anne

Mount Anne, beeindruckend und warnend zugleich, offenbarte uns immer weitere Details. Gleich vorweg, um die Spitze von Mount Anne zu erklimmen sollte man sehr mutig sein oder Kletterausrüstung dabei haben. Hier oben kommen leider doch immer wieder Menschen zu Tode. Wir haben das aus diesem Grunde vermieden. 

Mount Anne

Ab jetzt wird es auch schwer zu erklären, was wir durchgemacht haben. Für meinen Schwager war es das 7. mal, daß er diesen Track gelaufen ist. Ich war dann jedoch etwas überrascht über den hohen Schwierigkeitsgrad und begriff langsam, daß ich es hier mit einer anderen Art des „wanderns“ zu tun hatte. 

Mein Schwager ist auch auf dem Bild

Wir wanderten am Mount Anne vorbei auf und an dem Bergrücken und es ging hinauf und wieder etwas hinunter und wieder hinauf. Es fühlte sich an, als ob man ständig große Stufen nach oben steigt. Dann wurde es landschaftlich noch richtig spektakulär.

Schroffe Felsformationen
Hat das noch was mit wandern zu tun?

Es ging Sehr steile Kletterpassagen hinab und auch hinauf. Wir sind auf dem Kamm entlang gelaufen bzw. geklettert und zum Teil waren die Wege nicht ersichtlich. Auch gab es Passagen an welchem die Felswand linkerhand war und ungefähr 1 bis 2 Meter rechterhand kam die Klippe. Da ging es zum Teil mehrere hundert Meter gerade hinab. Diesen Flug kann man definitiv noch geniesen. 

Wer suchet, der findet (den Weg?)
Wo geht es lang?

An diesem Zeitpunkt waren wir schon 6 Stunden unterwegs und auch der Grad der Anstrengung war immens. Wir wollten den Mount Anne Circuit, welcher als Wanderung für 3 bis 4 Tage angegeben wurde, in 1 Tag laufen. Somit waren die Pausen kurz. Unser Fokus lag ja bekanntlich auf Schnelligkeit. Aber auch hier einige Tage zu verbringen kann ich jedem nur empfehlen! 

Eine wohlverdiente Pause!

Eine wunderschöne malerische Kulisse hier. Der Anschließende Abstieg war ein segen. Endlich andere Muskeln beanspruchen. Runter geht es auch wesentlich schneller. 

Der Abstieg kann beginnen
Abstieg am Grat
Weil es so schön war, hier der Grat unseres Abstiegs aus etwas weiterer Entfernung

Erst ging es über den felsigen Grat, anschließend durch dichten Busch und endlich unten angekommen gab es die wohlverdiente Erfrischung an einem See mit wunderbarem kühlem Bergseewasser. 

Pause und Abkühlung am See. Rechts, der Grat unseres Abstiegs.

Wir erklammen noch einen weiteren flachen Berg, bevor es anschließend wieder Richtung Ausgangspunkt der Wanderung ging. Hier führte uns der Weg an einem Bach (Creek) hinunter. Es war angenehm kühl-nass. Endlich unten angekommen folgten wir weitere 2,5 Stunden einem Matschloch nach dem anderen. Knöcheltief einsinken war normal. Einmal steckte eines meiner Beine fast bis zum Anschlag in so einem tiefen nicht ersichtlichem Schlammloch. Schwupps und weg war mein Bein. Zwischendurch kühlten wir uns an einem schmalen Fluss ab. Es wurde doch relativ heiss mitlerweile.

Alle 5 Meter gab es eine Schönheitskur umsonst
Normalzustand

Als wir auch das hinter uns gelassen hatten, mussten wir noch weitere 8 Kilometer einer ungeteerten Straße zu unserem Auto folgen. Vorbeifahrende Autos welche uns offerierten uns mitzunehmen, lehnten wir dankend ab. Und so kamen wir nach insgesamt 31 Kilometern, 11 Stunden und 50 Minuten und 1900 Höhenmeter rauf und runter endlich an unserem Auto an. Es gab noch einen Waschgang am Fluss mit kaltem Wasser bevor es wieder 2,5 Stunden mit dem Auto nach Hobart ging. 

Es hat alles gepasst. Auch waren wir meistens im Schatten der Berge unterwegs was zu unserem Vorteil war an diesem heißen Tag. Es war einer der krassesten Erfahrungen in meinem Leben bisher. Allerdings habe ich diese Wanderung unterschätzt! Ausserdem wurde ich mehrere Male mit meinen mentalen Grenzen konfrontriert. Ich konnte mich jedoch immens steigern was in Hinblick auf Neuseeland für mich persönlich wichtig war.

Das Ziel ist erreicht! Freude pur!

Hier sind wir einzeln runtergeklettert. Achtung! Steinschlag!
Hier hatte ich sichtlich keine Freude mehr nach gefühlten 500 Schlammgruben
Was ist grün und piekst? Eine Pflanze!
Was hier alles wächst… sehr interessant!

5 Kommentare zu „Step 7: Tasmanien Teil 2

  1. Hey Manu, schöne-tolle-krasse Berichte und Bilder. Diese Art von Wanderung (Geröll klettern) hab ich mal in der Schweiz in abgeschwächter Form gemacht, war definitiv nichts für mich!!
    Aber toll dass du das durchziehst und es dir offensichtlich Spaß macht und persönlich was bringt.

    Weiter so!!!

    Gruß Alf

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    1. Hey Alf, freut mich von dir zu hören. Alpines Wandern oder wie man das nennt hat es echt in sich. Ich würde es wieder machen aber nicht in diesem Tempo. Entspannt kann man sowas schon auch geniesen. Trotz allem sind die Wanderungen hier mehr oder weniger nur Trainingseinheiten um fit für Neuseeland zu werden. Und ja, ich steiger mich hier und wachse und habe auch mega Spass und Freude dabei! Gruß Manu

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  2. Lieber Manu,

    mich interessieren solche Bergwanderungen. Ich bin früher auch sehr gerne gewandert und auch anstrengend. Ich bin aber nie in einer solch fazinierenden Gegend und auf so einem Level gewandert. Diese Tour geht schon in Richtung Bergsteigen. Hut ab, daß Du das geschafft hast! Wäre auch gerne dabei gewesen!
    Toller Schwager! Mit dem kann man auf Tour gehen!

    Viele Grüße! und bis Bald!
    Declan

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  3. Hallo Manu !!!!! Tolle Berichte mit noch besseren Bildern. Ich geniese es richtig von Dir zu lesen und die Bilder zu bestaunen !! Grüßße aus dem KALTEN GERMANY … Walle aus NOTZENGA !!!!!!!!!!!

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