Step 15: Matsch

Tag 73 der Reise

Tag 6 Te Araroa

Te Araroa: Parkplatz am Waldrand-Long Hilly Track-Port Water Race-Cascade Road-Martins Hut, 24 Kilometer.
Der Wecker klingelte um 8 Uhr. Wir wollten um 9 Uhr los. Der Morgentau auf der Wiese überzog buchstäblich alles. Ich kam langsam in die Gänge, Niels auch. Als ich gerade mein Zelt demontierte, sah ich einen Jeep mit Kindern vor dem Haus halten. Ich bin sofort hin, um höflichst „Hallo!“ zu sagen, auch wegen unseres Nachtlagers. Erst hat mich die Frau gar nicht gesehen und erschrak, als ich an das Autofenster klopfte. Kurzer Smalltalk und es stellte sich heraus, daß sie nicht der Besitzer der Wiese ist, daß wir Wasser aus ihrem Wassertank (Regenwasser) bekommen welches gefiltert war und das es dem Besitzer wohl nicht stört, daß wir hier campen. Außerdem gibt es am Parkplatz, wo der Track beginnt, ein Plumpsklo.

Plumpsklo am Beginn des Long Hilly Track

Jedefalls kam kurz darauf auch der Besitzer der Wiese, ein Farmer namens Kevin und es stellte sich heraus, daß er der Schirmherr des Te Araroa Tracks Bereich Southland (Bundesstaat) ist. Wir haben dann über dies und das geplaudert, was uns erwartet und Nummern ausgetauscht. 

Long Hilly Track

Bis wir loskamen,war es dann schon 10.15 Uhr. Nach der Strandwanderei schien der Wald in seiner Pracht wie ein verzauberter Wald uns zu empfangen. 

Long Hilly Track

Wir hatten einen langen Tag vor uns. Etwa 24 Kilometer durch den Wald bis zur Martins Hut (Martins Hütte). Es war relativ einfaches wandern. Der Long Hilly Track ist in Wirklichkeit sehr kurz und wir folgten für lange Zeit einem von Menschenhand geschaffenem Aquädukt.

Wegweiser an der Abzweigung zum Port water race
Hier gehts zum Ports Water Race
Buschwalker
Computerspiel? Nein…!
Die Schönheit der Natur

Früher wurde hier nach Gold geschürft und überall am Berg soll es tiefe Schächte geben. Tiere gibt es hier dafür nur wenige. Und oft ist es auch sehr still im Wald. Kaum im Wald hat mich etwas am Fuß/Sprunggelenk gestochen. Ich schlug instinktiv danach. Es war wohl eine Hummel. Das hat ordentlich gezwiebelt und brannte wie eine ordentliche Verbrennung. Hin und wieder mussten wir einen Bach überqueren und es galt, die ersten herausfordernden Hindernisse zu meistern. 

Die Qual der Wahl: Über den Baum klettern oder durch Matsch?
Auch diesen Bach überquerten wir

Hin und wieder war es auch etwas matschig. 

Matsch!

Wir konnten das meist umgehen. Pausen machten wir regelmäßig. Ich bin einmal ausgerutscht, Niels zweimal. Passiert ist uns nichts, aber Niels hat dabei einen seiner Laufstöcke verbogen. Den konnte er aber in kürzester Zeit wieder gerade biegen. Hier ein Auzzug aus meiner täglichen Verpflegung: Morgends Milch- und Scholopulver mit Haferflocken und Leinsamen; 3 Müsliriegel für Zwischendurch; Cracker Kekse mit Käse zum Mittag; Gemischte Nüsse mit Früchten ohne Zusätze für zwischendurch; Abends Quinoa Samen mit dehydrierten Erbsen und Gemürzen in Kokosnusöl. Und es geht richtig gut rein! Energielevel passt bisher super! Wasser haben wir aus den Bächen getrunken. Es sieht aus wie Tee. Ein leichte Braunfärbung bedingt durch Gerbstoffe der Flora und Fauna. Filter ist bei fließendem Wasser nicht notwendig. Mit Niels zu laufen war eine echt super Sache. Wir unterhielten uns über viele Dinge, erzählten uns „Geschichten aus unserem Leben“ und hatten sehr viel Spaß zusammen. Ist auch echt toll, wenn man sich nach ein paar Tagen kennenlernt, zusammen wandert und es passt. Das schweißt zusammen. Aber jeder von uns beiden hat seine eigenen Pläne, wie wir den Te Araroa laufen wollen.

Alter Dampfkessel
Werkzeug zum graben des Aquädukts

Nach etwa 8 Stunden und circa 21 Kilometer sind wir dann endlich an einer unbefestigten Straße, der Cascade Road, im Wald angekommen. Diese führte uns nach etwa 1,5 Kilometer an einen Pfad, der zur Martins Hut hinaufführte. 

Pause an der Cascade Road
Fast geschafft!

Hier wurde es sehr matschig. Es waren zum Glück nur 30 Minuten den Berg hinauf, zum Teil wurde es auch steil. An der spartanischen Hütte angekommen, fanden wir sie leer vor. 2 Stockbetten, also 4 Betten, Feuerstelle und Wassertank. Außerhalb der Hütte gab es zusätzliche Sitzgelegenheiten, ein Plumpsklo und ebenfalls eine Feuerstelle.

Martins Hut

Nach der Schwitzerei war Körperpflege angesagt mit kaltem Wasser. Das war aber sehr angenehm. Etwas Kleidung habe ich auch gewaschen und in der Hütte aufgehängt. Diese war leider nicht vollständig trocken am nächsten Morgen. Es wurde noch schnell gekocht, gegessen und schon war es Zeit, ins Bett zu gehen. Es sollte doch in der Hütte eine gute Nacht werden. Dem war leider nicht so! Der Wind frischte auf, es regnete zeitweilig und dann…geschah…es! Bumm,Bumm,Bumm…Pause…Bumm Bumm. Wow… Alle Haare standen nach oben. Besucher? Zuviele Horrorfilme habe ich gesehen… Schlußendlich stellte sich am nächsten Morgen heraus, daß es etwas Blech ist, welches den Kamin bildet und bei entsprechendem Luftzug „klopft“. Naja, also die Nacht war eher dürftig.

Martins Hut
Eine Blase seit dem Tag 1

Martins Hut to Island Bush Track, 27,5 Kilometer.
Der Wecker klingelte um 7.40 Uhr Morgends. Niels habe ich dadurch auch geweckt. Essen, packen, loslaufen. Niels entschied sich, einen Tag in der Hütte zu verbringen. Relaxen, essen und seine Übungen machen. Er trainiert auch wie ich mit seinem eigenem Körpergewicht. Somit war es Zeit, fürs erste Adios! zu sagen. Ab jetzt läuft es anders. Und zwar alleine. Los ging in Richtung Merrivale old quarry. Kevin nannte es „the gravel pit“ (die Kiesgrube). Es ging erstmal Bergauf. Und es war sofort wieder eines, und dieses eines sollte mich von nun an den ganzen Tagbegleiten: Matsch!!!

Steil den Berg hinauf

Auch hier versuchte ich, erstmal um die Schlammlöcher zu laufen oder zu klettern. Irgendwann kam aber der eine Schritt von 1000…und es wurde kühl, nass und matschig! Erstmal ging es den Berg hinauf bis über die Baumgrenze. Hier gab es nur noch Sträucher und niedrigen Busch. Tussock!

Tussock
Was macht der Plastikbeutel in meiner Hand?

Hier herrschte ein kühler ausgeprägter Wind. Und auch hier gab es nasse Stellen und unter der Grassnabe schien das Wasser förmlich eingeschlossen zu sein. Es ging über 3 Hügel, hinauf und hinab. Hier hatte ich auch mal wieder Handyempfand. Mit Spark hat man auch an der Martins Hut empfang. Jedenfalls ging es nach den 3 Hügeln zurück in den Longwood Forest. Alles schien hier mit Moos und ähnlichem überzogen zu sein.

Der Wald

Ein wunderschöner, fast mystischer Ort. Aber der Spaß ging hier erst richtig los! Matsch, Matsch und nochmal Matsch. Manche Schlammstellen sind sehr tief. Mir ist es auf Tasmanien passiert, und einer Frau die ich traf auch. Das ganze Bein versinkt Schlagartig in diesem Schlammloch. Mit meinen Laufstöcken konnte ich dieses mal jedoch schlimmerem Vorbeugen. Mein tiefster Tauchgang betrug etwa 30 Zentimeter. Der Tag war relativ wechselhaft, aber ohne Regen. Was für ein Glück bisher! Als ich dann endlich nach 4 Stunden an der Kiesgrube ankam, war es erstmal genug mit Matsch. Insgesamt habe ich 7 Wanderer getroffen, welche den Te Araroa Südwärts laufen und mehr oder weniger in einigen Tagen an ihr Ziel kommen. Von der Kiesgrube ging es nun den Bald Hill Berg hinauf zu einem alten Sendemast. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Ich lief also los und nach etwa 15 Minuten zogen Wolken auf. Es dauerte keine 10 Minuten und es herrschte ein komplett anderes Bild. Ich hatte auch schon wieder meine Regenjacke an, welche Wind relativ gut abhält. Ich sah, wie die Wolken schnell kamen und in den Bergen direkt vor mir hiengen. Und da lief ich nun hinein. Oben auf dem Berg (Bald Hill) und auch schon tiefer darunter betrug die Sichtweite 30 Meter. Die Spitze des Sendemasts ist nicht zu sehen. Wow!

Bald Hill Sendemast

Am Sendemast machte ich an einer Windgeschützten Stelle eine kurze Pause. Ich lief aber gleich weiter, um nicht auszukühlen. Der Wind, die hohe Luftfeuchtigkeit und schwitzen ist keine so gute Kombination. Von nun an sollte es den Berg hinuter gehen auf einem namenlosen Track. 

Ab jetzt heisst es Berg abwärts!

Erstmal wieder nur niederer Busch. Es war trotz des Nebels einfach, die Wegmarkierungen zu finden. Dann ging es wieder in den wunderschönen Wald. 

Ab in den Wald

Und Matsch… überall Matsch! Nach weiteren 4,4 Kilometern kam ich dann an einer unbefestigten Straße raus. Geschafft! Moment, am Ende meines heutigen Trips war ich noch lange nicht. Ich brauchte für 19,4 Kilometer etwa 7 Stunden und 20 Minuten. Ab hier war laufen einfach und ich konnte schnell laufen. 

Wegweiser gen Süden

Um an mein Ziel zu kommen, musste ich weitere 7,5 Kilometer laufen. Erst durch Wald, dann durch Farmland und dann 2,5 Kilometer auf dem Highway.

Endlich wieder solider Untergrund
Ein Rehgehege
2,5 Kilometer den Highway entlang

Plötzlich sah ich das Ende. Eine Treppe um über einen Zaun zu klettern. Hier beginnt der nächste Bereich, eine 3 bis 4 Tageswanderung mit dem Ziel: Te Anau. Ich wollte jedoch noch in das 12 Kilometer entfernte Otautau. Also, daumen hoch! Und es dauerte in der Tat nur 5 Minuten und mich nahmen zwei junge Männer mit. Da kam Freude auf. Sie fuhren mich bis nach Otautau vor den Supermarkt, bei welchem ich mich dann mit etwas Obst und Gemüse eindeckte. Auf dem städtischem Campingplatz habe ich ein Dach über dem Kopf und eine spärlich ausgestattete Küche, sowie eine heiße Dusche für 10 Dollar die Nacht. Hier bleibe ich nun einen Tag um zu essen, regenerieren, die nächste Etappe zu planen und meine Wäsche zu waschen. Hab ich schon erwähnt, daß ich mich auf trockene Schuhe freue?! 

Otautau Holt Park Camping
Etwas harter Untergrund aber gut geschützt vor den Elementen
Küche und Sanitäranlage
Hauptstraße Otautau. Es herrscht viel Verkehr!?

2 Kommentare zu „Step 15: Matsch

  1. Hi Manu !! Also do kan i blos saga : do schnalltst jo ab !!!!!!!!!!! Grandiose Berichte .
    Und das alles in das kleine Handy-Display reingetippt. Also Manu pass auf Dich auf vorallem wenn so ein New Zealand Grizzly Bear kommt ….?????
    Vile Grüßße aus NOTZINGA Walle mit Fraule !!!!!!!!!!!!

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  2. hallo manu!
    diese tour gefällt mir besonders gut! es ist die strecke durch diesen zauberwald, der meine Begeisterung weckt! diese tour ist für mich die stärkste und bisher interessanteste auf newzealand. ich freue mich auf die kommenden highligts auf dem great walk! schade, daß Niels nicht mehr dabei ist. aber vielleicht seht ihr euch wieder!

    stay tuned!
    declan

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