Tag 99 der Reise
.
Tag 32 Te Araroa
.
Wanaka-Alberttown-Lake Hawea-Breast Hill-Mount Martha Saddle-Ahuriri River-East Ahuriri Valley-Lake Ohau-Twizel
„Another Day in paradise“. Ein weiterer Tag im Paradies.

Aus meinem Plan, die selbstaufblasende Isomatte nach Deutschland zu senden wurde nichts. Eine billige Schaumstoffmatte wiegt 400 Gramm. Ich behalte sie erstmal. Es dreht sich um 250 Gramm und dazu muss ich sagen, es kostet 35 Dollar es nach Deutschland zu senden und 25 Dollar für eine klassische Isomatte. Dazu ist diese sehr Platzraubend und nicht überall ist es praktisch, die Isomatte außen am Rucksack zu befestigen. Soviel mal hierzu. Also zurück zum eigentlichen. Für die kommende Passage veranschlage ich 5 Tage. Die Trail Notizen schlagen 6 bis 7 Tage vor.

Ich könnte mir natürlich mehr Zeit lassen, aber ich möchte mein Tempo beibehalten. Es ist auch eine Herausforderung an mich. Und ich geniese es sehr, auch in erhöhtem Tempo. Wanaka ist ein fast schönes kleines Touristenstädtchen an einem wunderschönem See in einer wunderschönen Umgebung und extrem touristisch. Die Landessprache ist hier mehr Deutsch als Englisch. Die Deutschen sind überall! Die meisyen noch mit Babyflaum im Gesicht.

Ich wollte mir dieses mal eine teuere Übernachtung sparen. So kaufte ich im New World Supermarkt meine Lebensmittel für den Trip ein, was 80 Dollar verschlang, packte nebenan im Park meine Tagesrationen zusammen, entfernte jeglichen unnötigen Ballast und lief los. Es war schon 18.30 Uhr Abends vorbei als ich in Alberttown am Hawea Fluss einen Campingplatz fand, wo es nur 10 Dollar die Nacht kostete. Da ich schon wieder an der 40 Kilometermarke angelangt war, blieb ich prompt hier.

Ein schöner Fluss (Hawea oder Tekapo Fluss?) versorgt die Menschen mit sauberem Trinkwasser. Die Wettervorhersage verspricht gutes Wetter für die nächsten Tage. Ich werde berichten.

Die Nacht war relativ gut bis auf den Moped Fahrer der an der Straße entlang fuhr und meinte, sein Bike zu testen und das mit Sportauspuff. Es fluchte aus mehreren Zelten gleichzeitig. Als ich morgends nach der üblichen Prozedur loslief, kam nach etwa 500 Metern ein weiterer Campingplatz. 7 Dollar die Nacht. Allgemein ging es dem Hawea Fluss entlang. Das Wetter war Sonnig mit Wolken. Manchmal sah es nach Regen aus. Aber es blieb stabil. Die Ortschaft Lake Hawea ist ein ruhiger kleiner Ort. Ich war gut in der Zeit und gönnte mir einen Kaffe. Mittagessen gab es an einem Park am Strand.

Danach lief ich zum Begin des Breast Hill Tracks (Brust Hügel). Um dem Busen der Natur näher zu kommen, musste ich ihn besteigen. Etwa 1000 Höhenmeter waren es und je höher ich kam, desto besser die Aussicht. Besser? Atemberaubend!


Diesen Aufstieg habe ich relativ locker hinter mich gebracht. Ich machte aber auch genug Pausen um Bilder zu knipsen. Meine etwa 13 bis 14 Kilogramm Gepäck machten mir so gut wie gar nichts aus. So langsam bin ich es gewohnt und werde stärker.




Als ich es dann abends über den Sattel zur Unterkunft schaffte, sah ich schon mehrere Zelte um die Hütte herum. Auch diese Hütte war voll belegt. Ich trat ein, sagte „Hallo“ aber unbedingt gefreut haben sich die etwa 8 anderen Leute sich aus welchem Grund auch immer, nicht. Ich habe auch diesmal die Ruhe vorgezogen und mein Zelt aufgeschlagen, gegessen und schon bald kam die Nacht. An dieser Stelle wünsche ich mir kein Regen. Die Stelle, an welcher die Hütte steht, ist sehr gut windgeschützt. Eine ruhige Nacht konnte hoffentlich kommen.


Mit der Morgendämmerung drückte die Blase. Es war sehr neblig. Ich wusste zum Glück noch, wo sich das Plumpsklo befindet. Eine Stunde später war es schon viel besser und der blaue Himmel begann sich zu zeigen. Es ging weiter den Berg hinauf. Hier gibt es einen der besten Aussichtspunkte auf dem gesamten Te Araroa. Auf dem Busen („Breast Hill“ zu deutsch „Brust Hügel“) bin ich schon. Jetzt galt es, den Nippel zu erklimmen. Ich wartete jedoch noch etwas ab. Der Nebel blieb, somit war es nichts mit der Aussicht auf dem Gipfel von Breast Hill. Es blieb kühl und neblig. Eigentlich muss ich sagen, es waren ja Wolken welche auf den Bergen lagen. Ich folgte einem Farm Track, also einem einspurigen sehr holprigem Weg den Berg hinunter bis zur nächsten Hütte. Hier rastete ich und hatte mein Mittagessen. Eine neue Sektion begann. Es ging den Timaru Fluss entlang. Dazu musste ich erstmal absteigen und es war sehr steil. Teileweise mehr wie 45 Grad auf oder ab in dieser Sektion. Ich behaupte jetzt mal, es waren teilweise unfassbare 60 Grad und eher wie Treppen steigen, nur das es keine Treppen waren.


Unten am Fluss lief ich oft an eben diesem entlang. Es war ein schöner sonniger Tag mitlerweile und somit tat das kühle Wasser gut. Zu trinken gab es auch genug. Diesen Fluss musst ich etwa 13 mal durchqueren. Zwischendrin ging es wieder den Berghang hinauf, zum Teil unfassbar Steil. Die Wandernotitzen hatten nicht zuviel versprochen. Am Ende gab es noch einen kurzen Anstieg welcher prompt in eine alte Farmstraße mündete und ich lief dieser entlang ins Tal bis zur Top Timaru Hütte.


Naja, Tal ist übertrieben. Die Hütte befinder sich auf 960 Meter über Null. Sie liegt wunderschön gebettet am Timaru Fluss. Erstmal gab es ein kurzes Bad im Fluss als Erfrischung und um den Schweiß des Tages abzuwaschen. Es wäre super hier gewesen hier, WENN da nicht die Sandfliegen wären. Diese Blutsauger waren hier leider zahllos vertreten und hungrig. Also blieb nur eine Flucht in die Hütte, welche sehr warm war und auch nur ein kleines Fenster mit Fliegengitter besitzt. Wir waren am Ende des Abends insgesamt zu viert und es war eine gute Gruppe. Der Abend ging zuende, die Sandfliegen blieben.

Die Nacht war anfangs noch sehr heiss. Es dauerte, bis die Hütte abgekühlt hatte. Schlafen war soweit den Umständen entsprechend okey. In der Regel gehe ich und die anderen Wanderer mit Einbruch der Nacht schlafen. Im Moment ist es etwa um 21.15 Uhr dunkel. Ab 7 Uhr morgends wachen die meisten nach und nach auf. Heute machte ich den Anfang. Ich wollte etwas früher los, da ich vor hatte, etwas mehr Wegstrecke zurück zu legen. Ich hatte vor allem mit Sebastian aus Augsburg noch eine gut Unterhaltung. Sam aus Belgien und Max aus Mindelheim/Deutschland wandern auch nach Norden. Die beiden schienen aber nicht allzu glücklich zu sein. Beide sind sprichwörtlich „baden“ gegangen am vorherigem Tag im Fluss. Zum Frühstück gab es dann erstmal wieder eine Bergsattel. Ungefähr 800 Höhenmeter auf einem alten Farmtrack mit nicht allzu heftiger Steigung ging es auf 1680 Meter hoch. Danach dasselbe nur den Berg hinunter. Und was sehe ich oben auf dem Sattel? Eine Schaafherde! Diese wanderten ebenso dort umher. Lustig!

Insgesamt traf ich 20 andere Te Araroa Wanderer, welche südwärts unterwegs waren. Mit manchen habe ich gequatscht, andere nur gegrüßt.
Am heutigem Tag kam der erste richtige Fluss, den es zu durchlaufen galt. Da ich keine Weicheispur (Pussy lane) bevorzuge, bin ich mitten durch den Fluss an einer Stelle, wo das Wasser nicht schnell floss. Das Wasser reichte mir an der tiefsten Stelle bis in den Schritt. Ok ich gebe zu, ich bin etwas blind durch den Fluss gelaufen. 50 Meter weiter rechts wäre es einfacher gewesen, den Fluss zu durchlaufen. Es war jedenfalls eine wohltuende Abkühlung an diesem Tag. Obwohl das Wasser langsam Floss, etwa Schritttempo, hatte es richtig viel Energie. Dazu kam der glitschige, felsige und unebene Untergrund. Trotzdem kein Problem bei entsprechender Vorsicht und Konzentration.

Weiter ging es dann in das Östliche Ahuriri Tal. Auf dem Plateau hier herrschte starker Gegenwind und es sah eher aus wie eine Steppe. Es wurde mit dem Einlaufen in das Ahuriri Tal besser und es ging stetig, aber nicht steil den Berg entlang des Flusslaufs hinauf. Ich traf noch auf eine kleine Zeltstadt und fragte mich erst, warum denn hier an die 20 Menschen versammelt waren. Es war dann aber offensichtlich eine geführte Gruppe Teenager mit Lehrern, oder sowas in der Art. Ich lief noch einige Kilometer weiter und platzierte mein Zelt auf einem tollen ebenen Untergrund und lies den Abend gewohnt ausklingen. Es galt noch ein Klo zu graben, zu essen und die Notizen zu lesen. Der nächste Tag sollte wieder einen „Big K-day“ werden. Heute waren es etwa 40 Kilometer und morgen dasselbe nochmal. Entweder ich laufe abends in die Stadt Twizel ein oder campiere kurz vor dieser.

Um es an dieser Stelle anzumerken. Ich laufe alleine und ich habe riesengroßen Spass daran, zu laufen. Es geht mit nicht um Zeit, Geld oder was auch immer. Ich bin total motiviert und auch erstaunt, was mein Körper leisten kann. Ich bin geradezu Dankbar. Und darum laufe ich manchmal „einfach“ weiter. Und das ist im Moment das, was ich am meisten geniese. Gute Nacht.
Die letzte Nacht wurde etwas frisch. In diesen Momenten bin ich glücklich, einen Schlafsack zu haben, der warm und kuschelig ist. Fit und bereit für einen weiteren langen Tag, ging ich früh morgends los um die restlichen Kilometer über den Sattel zu laufen. Ich startete langsam und genoss die kühle Morgenluft. Es sollte ein einfacher Tag werden. Es gab keinen Hügel zu besteigen und keine anspruchsvollen Passagen. Nach dem Sattel lief ich Bergab zum Lake Ohau. Es wurde wieder ein heisser Tag. Mittags nahm ich ein kurzes Bad im kalten Wasser des Sees. Der Boden und Strand war eine Mischung aus Kies und Schotter. Zum laufen nicht gerade angenehm und im Wasser rutschig. Der Weg führte am See entlang und anschließend am Fluss Ohau, welcher auch die Grenze zwischen Canterbury und Otago markiert. Etwa 4 Kilometer vor der Stadt Twizel lies ich mich an einer Landzunge am See nieder und wartete bis zum Einbruch der Dunkelheit, bevor ich mein Zelt aufstellte. Ob das gut geht? Gesehen wurde ich. Trotzdem wollte ich es auf den Versuch ankommen lassen, und „Wild“ campen.Wenn man erwischt wird, kostet es 200 Dollar. Ich habe auch im Internet recherchiert, konnte jedoch nicht ausfindig machen, ob es privater Grund ist oder der Stadt gehört oder ob es hier verboten ist, zu campen.

Das Campen hat geklappt. Es kam niemand. Der Wasserpegel war am nächsten Morgen jedoch etwa 10 cm höher als am Abend. Ich hatte da so eine Vorahnung. Ich bin relativ früh aufgestanden, packte meine Sachen zusammen und lief in Richtung Twizel los. Zeit hatte ich genug. In Twizel angekommen gab es Kaffee und anschließend habe ich meine Essen eingekauft. In Twizel wollte ich nicht bleiben.




hallo manu,
ich bin begeistert! mein tag beginnt heute mit einem wunderschönen Reisebericht und tollen photos deiner Abenteuerreise auf Neuseeland!
es beeindruckt mich sehr, was du auf deiner reise alles erlebst und was du leistet. die berge, die du erklimmst, menschen, die du kennenlernst. in dir steckt jede menge power. das begeistert mich!
bleib in Verbindung! in Gedanken bin auf Neuseeland und toure mit!
never give up!
declan
LikeLike
Ich danke dir und weis deine positive Motivierung sehr zu schätzen. Ab Morgen gehts weiter. Die Pause ist fast vorbei!
LikeLike