Als erstes muss ich schreiben, dass es fast keine Bilder dieser Etappe gibt. Naja, außer Nebel wäre sowieso nichts zu sehen gewesen. Daher lade ich frei einfach Bilder vergangener Etappen hoch.

Es war wieder regnerisch in der Nacht. Ich war ja froh, dass das Wetter am Vorabend so lange gehalten hat. Aber Nachts prasselten die fetten Tropfen von den Bäumen fallend stark und laut auf mein Zelt. Nicht einmal Ohrenstöpsel halfen. Und dann… was ist das… es ist nass? Unter meinem Zelt kommt Nässe ans Zelt und somit ins Zelt. Mist! Es wurde zum Glück nicht zu schlimm und die Isomatte hielt mich trocken. Der Fehler war, dass ich die Zeltunterlage an den Ecken mit an den Ösen des Gestänges eingehängt hatte. Und eben an einer dieser lief es auf die Unterlage. Und die ist ja Wasserfest. Auch von oben.

Morgens das Zelt geöffnet… Nebel. Dichter Nebel! Sichtweite unter 50 Meter. Auf mein Müsli-proteingemisch hatte ich nicht mal warm lust. Ich hatte noch einen Seitenbacher Proteinriegel, welcher es tun sollte. Alles zusammengepackt und los. Das Zelt war nun klatschnass innen wie außen. Aber es war ja soweiso die letzte kurze Etappe und somit zum Glück nicht mehr wichtig. Los ging es nach Hülben. Es waren nur ein paar Hundert Meter. Weiter in der Ortschaft ging ich erstmal in einer Bäckerei Kaffee trinken und aß einen Brotkorb mit Marmelade. Im Nachhinein waren die Marmeladenbrötchen nicht so gut da zuviel leere Energie. Also Zucker. Ich merkte richtig wie mein Körper sich beschwerte. Der Bäcker war teuer und quasi neu gebaut. Die Toilette war super. Ich hatte es heute wieder geschafft, die Buschtoilette zu umgehen.

Weiter ging es und ich sollte locker in 3 Stunden an der Therme sein… endlich… Sauna… Wärme bis in die tiefen des Körpers… Wellness… herrlich. Aber… es… kam… anders. Ich folgte durch die Nebelsuppe den Wegweisern raus aus Hülben bis kurz vor den Segelflugplatz. Weiter folgte ich den kleinen roten Dreiecken, nun wieder am Albtrauf entlang. Nur mein Gefühl reagierte schon. Irgendwas ist anders. Bisher war die Albkante immer rechts. Nun aber links. Komisch. Es sollte doch nur einen Weg geben? Dann endlich ein Hinweisschild zum Abstieg: Parkplatz Kurzentrum. Also bin ich schön abgestiegen und brach dann unten aus dem Wald knapp oberhalb der Ortschaft. Sah komisch aus… Dort… eine Wanderkarte… und dann kam es wie es kommen musste. Willkommen in Bad Urach! Was zum… ? Ich bin falsch gelaufen. 7 Km. Die Achillessehnen schmerzten jetzt nochmals etwas mehr. Der Nebel wie Watte auf meinem Kopf. Was lief schief? War ich überanstrengt nach 100km in 2 Tagen? Ich war nicht sauer. Ehrenrunde! Dachte ich mir. Es kamen zwei ältere Wanderer und wir unterhielten uns und die klärten mich bezüglich des Weges auf. Ich durfte nun 1,5 Stunden (3 Stunden insgesamt Umweg) wieder die Alb hochlaufen und zurück. Was war passiert? Durch den Nebel waren die kleinen quadratischen Wegweiser schon aus 25 Metern leicht zu übersehen. Dazu stellte ich fest, dass in Bad Urach unsaubere Wegführung (kein Vorwurf an den Schwäbischen Albverein) vorhanden ist. Ich stand in Richtung Hülben vor dem Wegweiser und bis zur Albkante hoch, mehrere Kilometer, kam keine Wegmarkierung des Nordrandweges.

Erst oben kam wieder ein richtiger Wegweiser mit der Markierung des Nordrandweges.

Es stellte sich heraus, das der Weg anders Verläuft aber vermutlich einmal den Weg hatte, welchen ich lief. Ich konnte ja auch nicht nachsehen, da mein Akku leer war vom Handy. Ohne Wanderkarten setzt man sich eben einem Risiko aus. In Neuseeland klappte alles noch sehr gut, da ich digitale Wanderkarten hatte und immer genug Strom durch meine riesige Powerbank. Hier zollte ich Tribut. Aber alles geht vorbei und ich war wieder oben und nun auf dem richtigen Weg. Ich kam im dichten Nebel zur Burg Hohenneuffen. Ein majästetische Burg. Ich konnte noch ein paar Bilder machen. 3% hatte ich noch als Akku und somit sollte auch mein heimkommen gesichert sein.



Von der Burg ab stand nun auch Panorama Therme an Wegweisern und ich lief die Alb hinunter, lies den Nebel hinter mir, checkte in die Therme ein, lieh mir einen Bademantel, ein Saunahandtuch und Shampoo und lies es mir anschließen fast 5 Stunden gut gehen. Mein Vater holte mich anschließend ab und fuhr mich nach Hause. Was für ein Segen doch das alles ist, was ich habe! Ein Dach über dem Kopf, ein Bett, warme Dusche, genug Geld mir Essen zu kaufen. All diese kleinen Dinge, wie wertvoll sie doch sind.


Fazit: Erstmal die Fakten. Die Angaben sind so genau es ging geschätzt: Zurückgelegte Distanz: Ca. 189 Kilometer. Höhenmeter: 6500 Meter. Zeitaufwand: 5 Tage/4 Nächte. Startgewicht Rucksack ohne Wasser: ca 12 Kg mit Essen für 5 Tage, Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher und große Gaskartusche, Kleidung etc.


Die wunderschöne Schwäbische Alb von Tuttlingen bis Beuren hab ich trotz schlechtem Wetter von einer sehr schönen Seite kennengelernt. Die Wanderung war Anspruchsvoller als Gedacht. 3 Nächte mit sehr wenig Schlaf und somit schlechter Regeneration. Dazu die hohe Belastung, welcher mein Fitnesslevel nicht genz gewachsen war. Mein Wille hatte sich durchgesetzt, aber als ich nach Hause kam, war mein Immunsystem durch die sehr hohe Belastung runtergefahren und ich bekam einen Magen Darm Infekt. Fieber und 2 Tage mit häufigen Klobesuche waren die Folge. Dann verschwand das Fieber und alles innerhalb von 24 Stunden. Endlich wieder richtig schlafen zu können ist ein Segen. Das „Raus aus der Komfortzone“ hat richtig gut getan. Ich freue mich schon sehr auf den Sommer. Nächstes Projekt ist eine Gradwanderung auf der Nagelfluhkette bei Oberstdorf als Rundtour. Bis bald und weiterhin: „Happy Tramping“


Hi Mamu, schön dass du wieder gesund zu Hause angekommen bist. War echt spannend deine Tour mitzuverfolgen- hätte nicht gedacht, dass die schwäbische Alb so viel von einem abverlangt, obwohl man sie ja kennt und gleich nebenan wohnt.
Puh, ob ich so aus meiner Komfortzone kommen könnte und anstelle von eine Bett auf Brettern in einer Hütte übernachten würde- schwer vorstellbar. Chapeau!
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