Step 8: Tasmanien Teil 3

​Tag 44: Über Stock und Stein (Freicinet Nationalpark).
Eine der Weltweit am bekanntesten Strände befindet sich auf Tasmanien im Freicinet Nationalpark. Wineglass Bay. Wie der Name eventuell erahnen lässt, hat der Strand die Form eines Weinglasses. Für mich war es die letzte „Trainingseinheit“ auf Tasmanien. In erster Linie versuchte ich durch mehrere Tageswanderungen in der vergangenen Woche, eine Leistungssteigerung zu erzielen bzw. einen Belastungstest durchzuführen und meine körperlichen sowie mentalen Reaktionen dadurch besser kennenzulernen. Naja, ob ich meine Leistung gesteigert habe kann ich euch nicht sagen. In Bezug auf das kommende tägliche Laufen sehe ich mich in Punkto Belastbarkeit auf einem guten Level. Klar ist jedoch auch, daß das Wandern auf Neuseeland etwas anderes sein wird wie Tageswanderungen. Gerne hätte ich noch andere Orte auf Tasmanien besucht aber dazu reichte die Zeit leider nicht. 

Freicinet Nationalpark Startpunkt

Von meiner Schwester habe ich den Zweitwagen der Familie ausgeliehen bekommen. Einen Ford Falcon Station Wagon (Kombi). Sagen wir mal so, daß Auto fährt und durch seine Größe und sein Alter fühlt man sich wie der Kapitän eines großen Schiffes. Genau so schaukelt es auch. Ein quasi unzerstörbarer V6 unter der Motorhaube verbraucht minimale 20 Liter auf 100 Kilometer. Das Auto hat seine goldenen Zeiten wohl hinter sich… 

Ford Falcon Station Wagon

Mir hat das Auto jedenfalls gut gedient und die circa 190 Kilometer einfache Strecke nach Coles Bay im Freicinet Nationalpark haben wir zusammen gut gemeistert. Über den Verbrauch reden wir lieber nicht weiter. In Australien herrscht Linksverkehr. Daran musste ich mich doch erst wieder gewöhnen. 

Keep Smiling!

Ich bin um kurz nach 6 Uhr morgends losgefahren und kam um 9.15 Uhr am Wanderparkplatz an. Hier war schon richtig viel los. Es sind ja im Moment Sommerferien. Angeblich ist laut offizieller Homepage der Parkbetreiber/Regierung hier soviel los, daß die Campingplätze verlost werden. Hierzu muss man sich schon Monate im voraus registrieren. Unsonst campen ist aber auch an mindestens 2 Orten möglich, wenn es einem nichts ausmacht sein Essen selber mitzubringen und seine Bedürfnisse in einem „Klohaus ohne Spülung“ (Pit toilet) zu erledigen.

Freicinet Nationalpark Bush Toilette (Plumpsklo)
Zum Glück zeigen sich hier keine tieferen Details…

Unbehandeltes Wasser gibt es hier aus dem Wasserhahn am Wanderparkplatz und aus Wassertanks, welche neben dem Klohaus stehen und das Regenwasser aufsammeln. Der Tank kann aber auch nach längerer Trockenphase leer sein und das Wasser birgt immer ein Restrisiko. Ich habe es jedoch gut Vertragen, also keine „Flitzekacke“ oder sonstiges bekommen. Filter, Tabletten oder abkochen um auf Nummer sicher zu gehen sind weitere Möglichkeiten.
Auch hier am Startpunkt im Freicinet Nationalpark habe ich mich erstmal in das Wanderlogbuch eingetragen und schon ging es auf die „große“ Runde, dem Freicinet Circuit. 
Los ging es durch die erste Passage gegen den Uhrzeigersinn in Richtung Hazard Beach durch „Bush“. Hier traf ich bzw. überholte ich einige Leute nach und nach. Mit einem Franzosen bin ich 1 Stunde zusammen gelaufen und wir haben uns über allesmögliche unterhalten, bevor er eine Pause machte und ich weiter ging. Es ist auf solchen Wanderungen immer wieder faszinierend und überraschend, wie schnell sich die Vegetation innerhalb von wenigen Metern ändern kann. 

Freicinet Nationalpark, auf dem Weg Richtung Hazard Beach
Freicinet Nationalpark, kurz vor Hazard Beach

Ich kam dann am Hazard Beach aus dem Bush/Wald/Gestrüpp und wurde sogleich von einem anderen Wanderer auf ein nicht scheues Wallabi hingewiesen, welches sich am Strand befand und sich hier wohl bräunte. Schnell einige Bilder gemacht und das nächste Etappenziel anfokusiert, daß Ende des Strandes in etwa 3 Kilometer Entfernung lag.

Freicinet Nationalpark Hazard Beach, im Hintergrund rechts Mount Freicinet und links Mount Graham

Nach etwa 1,5 Kometern konnte man in Richtung Wineglass Bay abbiegen. Hier trennte sich die Spreu vom Weizen, daß bedeutet, daß ab hier wenige bis gar keine andere Wanderer sich auf dem selben Weg befanden wie ich. 

Freicinet Nationalpark Hazard Beach Abzweigung

Kaum hatte ich diese Abzweigung passiert, hatte ich schon ein paar freundliche fliegende Begleiter. March flies. Zu Deutsch: Bremsen. Grösser als Deutsche, dadurch besser sichtbar, aber kleiner als die Hummelgroßen Pferdebremsen, welche mich auf Fraser Island im Jahr 2010 jagten. Meine Wanderstöcke benutze ich, um die Fliegen von mir fern zu halten. Bis auf 5 Stiche, klappe das sehr gut. Meine Wanderstöcke haben nun 10 Kerben für 10 Bremsen. Am südlichen Ende des Strandes befand sich ein Campingplatz, welcher kostenlos war mit Plumpsklo. Anschließend ging es wieder durch Bush in Richtung Cooks Beach. An einem sehr kleinem Bach, welchen man gerade noch so nennen konnte, gab es erfrischendes Wasser und Abkühlung. Ich erreichte den sehr schönen Strand mit kristallklarem Wasser. Einfach nur herrlich. 

Freicinet Nationalpark Cooks Beach
Freicinet Nationalpark Cooks Beach

Nach einer kurzen Pause ging es weiter, denn ab hier ging es den Bergen entgegen. Mount Freicinet (620m) und Mount Graham (579m) warteten. Ansich gibt es nicht viel zu sagen. Es geht bergauf, es wurde immer wärmer, ich wanderte überwiegend durch Wald und Bush und traf 3 mal andere Wanderer bis zum Wineglass Bay. Ich beschloss, den Mount Fricinet zu erklimmen. Je näher ich dem Gipfel kam, desto steiler wurde es. Am Ende kam noch eine Kletterpassage mit etwas 5 Höhenmeter, bevor ich mein Ziel erreichte, überraschenderweise. Denn ein Wegweiserschild an der Gabelung auf circa 460 Metern Höhe sagte aus, daß der Berg 720 Meter hoch ist. Ich war darüber aber dann doch sehr froh. Oben ein paar Bilder gemacht, Sandwich gefuttert und anschließend kletterte ich schon wieder den Berg hinab.

Freicinet Nationalpark Mount Freicinet Summit, links Hazard Beach, rechts Wineglass Bay

Hier bin ich vom Weg abgekommen (weil ich mal wieder rannte) und habe mich entschieden, einen eigenen Weg durch den Bush zu suchen. War auch absolut kein Problem. Unten angekommen ging es sofort wieder den Berg hinauf. Den Gipfel des Mount Graham habe ich aber ausgelassen. Der Pfad führte mich quasi direkt an diesem vorbei, aber ich wollte mir diese Zeit sparen. Nun begann der lange Abstieg zur berühmten Wineglas Bay durch Bush und Gestrüpp, Wälder und über Stock und Stein. 

Abstieg zur Wineglass Bay

Eins sei hier gesagt: Sollte ich nochmal hierher kommen, werde ich ein paar Tage hier verbringen. Die südliche Seite des weißen Sandstrandes von Wineglass Bay ist einfach wunderschön. Nur einige andere Menschen waren hier, daß Türkisblaue flach abfallende Wasser, Sonne pur, die Kullisse der Berge in naher Entfernung… ja, so könnte ich es einige Tage hier aushalten. 

Freicinet Nationalpark Wineglass Bay
Freicinet Nationalpark Wineglass Bay

Hier habe ich mich selber belohnt. Ein kurzer Striptease und die Badehose angezogen und rein in das wunderbar Kühle Wasser. Es tat so gut nach der bisherigen Wanderung. Die Wassertemperatur lag bei ungefähr 18 Grad. Direkt am Strand war es etwas wärmer. Auch diese Pause war kurz. Ich wäre sehr gerne viel länger geblieben, aber auf mich wartete noch eine 3-stündige Heimfahrt und dazu musste ich auch erst einmal zum Auto kommen. Ich wollte auch nicht bei Nacht fahren. Wer Australien kennt, der weiß wie einfach hier ein Tier vor ein Auto rennt und wieviele tote Tiere hier an und auf der Straße liegen. Leider! Jedenfalls lief ich weiter den Strand entlang als sich nach wenigen hundert Metern die Sandkonsistenz änderte und sich der bisher feste feine Sand seine Formnin etwas gröberen Sand änderte. Ein vorankommen ging dann nur noch in Zeitlupe. Es kam mir vor, als ob ich auf der Stelle treten würde. Als letzte Hürde ging es noch einmal den Berg hinauf zum stark frequentierten Aussichtspunkt. Hier zeigte ein anderer Tourist sein ganzes fotografisches Talent, wie im folgenden Bild sehen kann. 

Freicinet Nationalpark Wineglass Bay Aussichtspunkt
Freicinet Nationalpark Wineglass Bay Aussichtspunkt

Ich habe nicht nur die in diesem Blog beschriebenen Wanderungen unternommen. Zwischendurch habe ich zum Beispiel 2 mal in der Woche Wasser in einem 10 Liter Tank plus 1,5l Flasche zu Fuß am Mount Wellington geholt. Den Mount Wellington habe ich auch einmal mit 14 Kilogramm Gepäck bestiegen und dasselbe wieder runter. 

Ich und Mr. Wallabie

Am Auto habe ich dann nochmal Mr. Wallabie getroffen und mit Ihm ein paar Schnappschüsse gemacht, bevor ich zurück nach Hobart gefahren bin. 

Als Abschluß gab es für mich noch einen footlong Sub bei Subway mit Gemüse und Käse. Ich war relativ müde nach dieser Wanderung. Insgesamt bin ich 8 Stunden mit Pausen gewandert und habe dabei 31 Kilometer zurückgelegt. Bergauf ging es 1315 Meter und folglich auch wieder runter. Kurzer vergleich zum Mount Anne Circuit an dieser Stelle. Gleiche Distanz aber schwierigeres Terrain und circa 600 Höhenmeter mehr bedeuteten einen Zeitunterschied von etwa 4 Stunden. Leider war dies auch mein letzter Ausflug auf Tasmanien. Die Insel hat noch weitaus mehr zu bieten aber so ist es eben immer. Vielleicht komme ich wieder!

Mr. Wallbie
Wer hat den Stein hier platziert?
Kleiner Käfer
Aufstieg zum Mount Freicinet
Wegweiser
Hazard Beach

4 Kommentare zu „Step 8: Tasmanien Teil 3

  1. Hallo Manu,

    ich bin begeistert! Du bringst mir Tasmanien näher. Diese wunderschönen Bergwanderungen sind leider zu schwer für mich. Die Natur ist toll und die Wallabies sind trollig. Deine Berichte sind so lebendig, daß ich auf den Touren dabei bin. Auf Fraser Island warst Du auch schon! Jetzt weiß ich, was Du mit dem professionellen traveller gemeint hast. Bald geht es nach Neuseland und ich bin dabei!

    Viele Grüße nach Tasmanien!
    Declan

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    1. Hello Declan,
      haha naja professioneller Traveller werd ich nie sein. Einfach nur ich! Schön das du dabei bist. Reisen ist schön… und übermorgen geht es weiter. Stay tuned! Grus, Manu

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  2. Hallo Manu,

    möchte Dir viele herzliche Grüße nach Tasmanien schicken! Hoffe, ich höre bald wieder was von Dir!

    Viele Grüße und bis Bald!
    Declan

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