Step 17: Der erste Meilenstein

Tag 83 der Reise

Tag 16 Te Araroa

Te Araroa: Te Anau-Highway 94 Lake Mavora Road-Kiwi Burn Hut-South and North Mavora Lake-Taipo Hut-Greenstoje Carpark-Queenstown-Arrowtown

Adios Te Anau. Eigentlich war es sehr schön hier und ich viel zu faul, um weiter zu laufen. Der Sommer ist endlich da! Ich wollte weiter. So war mein Plan. Also morgends wie immer zuerst meine Sachen packen. Frühstück war der Rest des Abendessens. Couscous mit Gemüse. Da ich auf der letzten Etappe gefühlt etwas zuwenig dabei hatte, habe ich ordentlich eingekauft. Ich habe außerdem noch 2 paar Socken aus Merino Wolle gekauft die reduziert waren und einen Plastiksack, welcher in meinen Rucksack kommt. Dieser ist extra extra extra Stark und dient als Schutz vor Regen. Bisher hatte ich einen Gartenabfallsack aus dem Supermarkt, welcher aber schnell Löcher bekam. Einen extra extra extra starken Sack jedenfalls gibt es nicht im Supermarkt. 6,50 NZ$ kostet so ein Sack im Camping Lafrn. Alles zusammen wurde es teuer in Te Anau. So werde ich es nicht mehr machen. Der nächste freie Tag wird in der Natur verbracht auf einer Hütte. 
Morgens also erstmal zum Ortsrand und 10 Minuten später saß ich schon im Auto. Was gab es heute zu tun bei 25 Grad und Sonne (WOW!!!)? Eine Schotterstraße zu laufen für etwa 30 Kilometer.

Ein weiter, staubiger Weg

Kaum auf der Schotterstraße kam der nette Farmer von nebenan angefahren, kurzer Smalltalk und er hätte mich 3 Kilometer mitgenommen. Die Versuchung war groß, aber ich möchte bis auf mögliche unsinnige Passagen auf den Landstraßen doch jeden Kilometer in meinen Waaden spüren! Was gibt es über die Schotterstraße zu berichten? Nun, ich hatte 2 Optionen. Option A: Nach 11 Kilometer könnte ich von der Straße auf einen Pfad, wieder durch hohes Grassland waten, oder Option B: Ich bleibe auf der Straße. Ich blieb auf der Straße. Viel gibts nicht dazu zu sagen, außer das es staubig war. Um allerdings zur Kiwi Burn Hütte zu gelangen musste ich am Ende des Tages etwa 3,5 Kilometer zurück laufen. Es hat sich schon gelohnt.  

Kiwi Burn Hütte
Kiwi Burn Hütte
Kiwi Burn Hütte

Diese Hütte an einem Bach hat frisches Wasser, einen Wassertank, ein Spülbecken mit fließendem Wasser, 12 Betten (6 Stockbetten, 2 Zimmer), einen Kaminofen für kalte Tage, Ratten oder Mäuse die in den Wänden hausen und ein Plumpsklo, in welchem sich wohl eben diese Nager Zuhause fühlen. Das Plumpsklo war voller Nagerkacke und es sah fast so aus, als ob die in das Plumpsklo reingehen, den Spuren nach auf der Klobrille zu deuten. Essen die das Klopapier oder unverdaute Reste? Es war schon wieder abend und ich habe gut gekocht, etwas Smalltalk mit 3 anderen Wanderern gehabt und bin dann auf das bequeme Bett zum schlafen. Oft ist es an diesen Tagen tatsächlich nicht mehr, als zu laufen,zu essen und zu schlafen. Gute Nacht, hoffentlich!

Mein Bett für die Nacht

Nachts hörte ich, wie aus dem anderem Zimmer laute kamen, jemand aus dem Zimmer rannte heraus und spukte. Der eine Wandererbsah gestern schon nicht gut aus. Nun war es klar, daß der junge Mann krank war und auch die jung Frau war nicht ganz fit. Als ich morgends mit ihr redete, redete sie es aber klein. Versorgt mit Medikamenten waren sie wohl jedenfalls. Für mich ging es weiter. Aus diesem Tag wurde dann ein „Big K Day“, was in etwa heisst, viele Kilometer zu laufen. 45 Kilometer wurden es dann insgesamt. Anfangs ging es durch Wald, Tussock Passagen (überwuchertes Grassland mit 50% knöcheltiefen Wasser durchwaten), über Schotterstraße und zuguterletzt einem Weg für Geländetaugliche Allradfahrzeuge. 

Immer gut zu wissen, daß man auf dem richtigen Weg ist!
Hier bekommt man höchstens nasse Füsse
Du magst keine nassen Füsse? Ich steh da voll drauf!

Unterwegs lief ich am Lake Mavora South und anschließend dem größerem Lake Mavora North entlang. Eingebettet in ein schönes Tal ist diese Gegend hier für Neuseeländer ein beliebtes Ausflugsziel. 

Die Schönheit der Natur
Und hier zurückblickend vom nördlichen Ufer des Mavora Lake North

Weiter ging es dem Mavora Fluss entlang in einem Tal, eine Landschaft wie gemalt. Hier gab es nichts. Außer wunderschöne Natur. Am liebsten hätte ich mein Zelt dort aufgebaut wo es möglich gewesen wäre und hätte diesen Anblick genossen. Aber mein Ziel war die Taipo Hütte. An den Hütten dieser Passagen war allgemein viel los. Eine Hütte zum Beispiel war von einer Gruppe junger Neuseeländer belegt, die ihr Wochenende auf ihre Art und Weise genossen und begossen haben. 

Kein (sichtbares) Ziel scheint zu weit

Zusätzlich kamen noch die Wanderer, überwiegend Te Araroa Wanderer, hinzu. Auch die Taipo Hütte war gut besucht und so musste ich Schlussendlich mein Zelt aufschlagen. Es war schon Abend als ich ankam. Hier konnte ich mich in einem Bereich des Flusses waschen. Eine ausgewaschene Stelle am Fluss formt einen natürlichen Pool.

Ein kühles Bad am Ende des Tages. Sehr schön und erfrischend!
Zwischendurch erblickt man diese äußerst seltene Spezies, Menschen!

Es war kalt, aber 1 bis 2 Minuten konnte ich es aushalten und mich grob sauber machen. Anschließend habe ich noch gekocht, gegessen und schon wurde es dunkel und ich habe auch nicht mehr gemacht, als die Augen zu schließen und doch auch erschöpft einzuschlafen. Ruhe… Schlaf… Erholung!

Ohne Farbfilter…
… und mit Impressiv Art Farbfilter

Der nächste Morgen hatte eine kleine Überraschung zu bieten. Sandfliegen (Sandflies). Sobald ich aus meinem Zelt draussen war, suchte ein ganzer Schwarm nach freien Körperstellen, um mich zu beissen. Es ist ähnlich wie mit Moskitos. Den Biss spürt man und es juckt danach. Nicht schlimm bei einem Biss, aber wenn es viele sind wird es schwer, nicht zu kratzen. Oh Gott, tut das kratzen gut! Im Vergleich zu Moskitos ist es jedoch einfach, diese Palagegeister zu killen. Also schnell zusammen gepackt und den letzten Etappenabschnitt bewältigt. Es war wieder Tussock Grassland, viel Wald und insgesamt 22 Kilometer. Machbar! Die erste Etappe bis zur Greenstone Hütte war ziemlich einfach und auch viel schneller zu laufen, als angegeben. Nach 3 Stunden erreichte ich die Hütte. Die Wegweiser gaben mit 4 bis 5 Stunden deutlich mehr an. Und schnell war ich nicht an diesem Tag. Die Hütte war grandios! Richtige Toiletten, 12 Betten, Küchezeile, Veranda und Kachelofen waren vorhanden. 

Greenstone Hütte
Greenstone Hütte

Die Hütte ist Teil oder am Rande eines „Great Walks“, wie es hier in Neuseeland genannt wird. Somit gibt es gerade hier viel mehr Wanderer und dementsprechend wird diesen auch mehr geboten. Neuseeland ist ein Wanderparadis! Und irgendwie wird hiermit wohl auch Geld verdient. Nach meinem Mittagsessen und Smalltalk mit einem französischem Paar ging ich weiter, um an die Endstation dieser Etappe zu gelangen. Der Greenstone Parkplatz, welche am Lake Wakatipu liegt, ist ein Ausgangspunkt für das Wandern in dieser Gegend. Der See ist außerdem eine Natürliche Barriere, an welcher der Te Araroa endet, in Queenstown aber fortsetzt. Außerdem treffen sich hier viele Sandfliegen, um die armen wartenden Wanderer zu beissen. Ich habe zum ersten mal die Chemiekeule angewendet und meine Haut eingesprüht. Zuvor wurde ich binnen Sekunden von sehr vielen Sandfliegen befallen. Das Spray wirkt jedenfalls! An diesem Parkplatz wartete ich nun, bis der erstr Tagesausflügler zurückkommt. Der erste Tagesausflügler, ein Neuseeländer der Fischen war und etwas in Eile, habe ich um eine Mitfahrgelegenheit gebeten und diese auch bekommen. Steven, mitte 40 geschätzt, leidenschaftlicher Fischer, Wanderer und Kletterer fuhr mich etwa 50 Kilometer bis an einen Campingplatz 10 Kilometer vor Queenstown. Hier nächtigte ich und zahlte ehrlicherweise die 13 Dollar gebühr. Man kann die Rezeption aber auch umlaufen, was ich unbewusst tat und einfach sein Zelt irgendwo aufbauen. Nur Autos müssen an dieser Rezeption vorbei. Geprüft wird es auch nicht. Ich hatte noch einige Stunden Tageslicht und habe viel gegessen und die Landschaft am See genossen. Je nach Sonneneinstrahlung ändern sich nämlich auch die Farben in Verbindung mit Schatten über den Tag, was einem ständig ein neues Bild in die Augen zaubert.

12 Miles Campingplatz 10 Kilometer außerhalb von Queenstown
Der See Wakatipu

Morgends bin ich nach Queenstown gelaufen, habe hier einige Dinge erledigt und nochmals etwas Ballast abgeworfen. Es macht einfach mehr Spass mit wenig Gewicht. Wenn ich jetzt noch meinen Ersatzakku und meinen Foto samt Ministativ einsparen würde, wäre ich wohl bei 6,5 Kg bis 7,0 Kilogramm Basisgewicht ohne Essen und Trinken und Campinggas. In Queenstown hat mich dann eine Freud in abgeholt. Sie lebt mit ihrem Freund in Arrowtown, was „auf dem Weg“ liegt. Ich habe somit etwa 25 Kilometer ausgelassen. So schlimm ist das allerdings nicht. Der Te Araroa hat Passagen, welche nicht viel Sinn machen, diese zu laufen. Aber so verbinden sich eben die Wanderwege über Landstraßen und Schotterstraßen. Es wird wohl auch die einzigste Ausnahme sein, daß ich einen Bereich überspringe. Hier bei Julie und Chard bleibe ich 2 Tage, fülle meinen Nahrungsbedarf für die nächste Etappe wieder auf und Plane etwas den Verlauf der nächsten 450 Kilometer. Da werde ich ein weiteres natürliches Hindernis, einen großen Fluss, per Daumentaxi umgehen müssen. Dies nutzte ich, um nach Christchurch zu fahren und dort ein paar Tage auszuspannen, bevor es bis nach Wellington geht.

Zum Mittag gibt es Käse und Kekse, mal wieder
Und wenn der Hunger größer ist als erwartet, hier hat es überall Schaafe, Kühe und auch Rehe. Viel blieb von dieser Kuh nicht übrig
Bitte schenkt meinem Bauch hier etwas Beachtung
Abflug!
Sie genießt das Leben und die Sonne
Hin und wieder fällt ein Baum auf den Weg
Einer von vielen Wasserfällen auf dem Weg zum Greenstone Parkplatz

4 Kommentare zu „Step 17: Der erste Meilenstein

  1. hallo manu!

    du bringst Schönheit Neuseelands zu mir! die bilder sind wieder atemberaubend! ich wünsche dir einen schöne pause bei julie und chard. sammle wieder neue kraft für die nächsten 450 km! ich bin dabei! weiter so, mein freund!

    Keep in touch!
    never give up!

    declan

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    1. Danke dir. Ich bin schon ein paar Kilometer weiter im schönem Wanake. Es war echt schön in den Bergen von Arrowtown nach Wanaka! Es ist noch ein weiter Weg, aber ein schöner!

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  2. Hey Manu, Alf hier….das Bild mit dem Kommentar „Kein (sichtbares) Ziel scheint zu fern“ begeistert mich, gant toll!!!

    Kannst du kurz beschreiben von wo bis wo du bist jetzt gelaufen bist!?

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß + Erfolg

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    1. Hey Alf. Danke dir! Gelaufen bin ich bisher: Bluff-Invercargill-Riverton-Colac Bay-Longwood Forest-Takitimu Forest-Mavora Valley-Queenstown-Arrowtown-Wanaka. Danke, den Spass habe ich. Es ist oft sehr anstrengend aber das, was ich zu sehen bekomme ist grandios. Ein Geschenk! Grüsse

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